Apotheken-Sterben: Kein Ende in Sicht? - MDR vom 14.01.2026

21.01.2026

Die Zahl der Apotheken in Deutschland geht seit Jahren dramatisch zurück. Aktuell sind es nur noch rund 16.700 Apotheken bundesweit. 2005 waren es laut Bundesverband Deutscher Apothekerverbände (ABDA) noch rund 21.500. Um die klassische Vor-Ort-Apotheke zu stärken, hatte sich die Bundesregierung im aktuellen Koalitionsvertrag eigentlich auf konkrete Ziele geeinigt. So sollte die Pauschale pro abgegebenem verschreibungspflichtigen Medikament, auch Honorar genannt, von 8,35 Euro auf 9,50 angehoben werden. Mit den Einnahmen über das Honorar werden alle Betriebskosten einer Apotheke bezahlt, von Personalkosten über Miete und Betriebskosten des Objekts.

Mitte Dezember letzten Jahres hat die Bären-Apotheke im sächsischen Vogtland ihre Pforten geschlossen. 32 Jahre lang hat das Ehepaar Herzog die Apotheke gemeinsam geführt und ist nun in den Ruhestand gegangen. Einen Nachfolger sei nicht gefunden worden, weil sich die Apotheke schon längere Zeit nicht mehr wirtschaftlich gerechnet habe. "Mieten steigen, Strom, Energiekosten ganz extrem in den letzten Jahren, Personalkosten. Es steigt eigentlich alles. Was nicht steigt, ist die Apothekenentlohnung. Dramatisch ist das", sagt Andreas Herzog dem MDR-Magazin Umschau.

Im Gesetzentwurf der Bundesregierung für eine Apothekenreform, der im Dezember vorgelegt wurde, ist von dieser Honorarerhöhung nicht mehr die Rede. Dafür sei kein Geld derzeit da, erklärte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken: "Gleichzeitig gehört es zur Wahrheit dazu, dass die Erhöhung mit Mehrausgaben von rund einer Milliarde Euro verbunden wäre und der Spielraum ist zum jetzigen Zeitpunkt schlichtweg nicht vorhanden." (Quelle: MDR Beitragstext)

Meinung:

Das mag sein, Frau Ministerin Warken. Gleichzeitig gehört es aber auch zur Wahrheit dazu, dass der öffentliche Dienst, Minister, Abgeordnete ... jährlich Anpassungen ihrer Bezüge erhalten und die letzte Honoraranpassung 2013 erfolgte. Zwischen 2004 und 2026 steigerten sich z.Bsp. die Abgeordnetenbezüge im Bundestag von ca. 7.000 € auf 10.600 € pro Monat, Ministergehälter adäquat. Durch vorgegebene Preisstrukturen können Apotheken Preise für rezeptpflichtige Arzneimittel nicht erhöhen, um der Inflation etwas entgegenzusetzen. Selbst der Einkauf dieser Arzneimittel ist staatlich reguliert. Ohne eine Anpassung des Honorares verlieren die Apotheken also jährlich Gewinne durch steigende, nicht ausgleichbare Kosten. Das Apothekensterben und damit die Verschlechterung der Lage für die Patienten ist staatsgemacht. Keiner arbeitet mehr zum Lohn von 2004. Aber den öffentlichen Apotheken wird eine faire Vergütung mittlerweile seit über 20 Jahren mit Ausnahme einer minimalen Anpassung im Jahr 2013 verweigert. Dies ist ein gesundheitspolitischer Skandal und erinnert stark an das Marie Antoinette untergeschobene Zitat: "Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen." Mit welcher Moral ist jemand ausgestattet, der jährlich Diätenerhöhungen erhält und anderen erklärt, dass leider kein Geld zum Verteilen mehr da ist.

Liebe Patienten, liebe Kunden,

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