Schnupfen
Schnupfen (Rhinitis): Entzündung der Nasenschleimhaut mit Ausfluss von Nasensekret und behinderter Nasenatmung.
Schnupfen ist wohl die häufigste akute Erkrankung überhaupt. Da neben den Schleimhäuten der Atemwege auch die Nasennebenhöhlen fast immer in irgendeiner Form mitbeteiligt sind, sprechen viele Ärzte statt von Rhinitis grundsätzlich von einer Rhinosinusitis.
Die Medizin unterscheidet dabei:
Erkältungsschnupfen (akute Rhinosinusitis oder kurz ARS): Virusbedingte Entzündung der Nasenschleimhaut. Fast jeder Mensch leidet ein oder mehrere Male im Jahr unter Erkältungsschnupfen. Typisch ist immer eine laufende Nase (Rhinorrhoe) mit Ausfluss von Nasensekret und eine behinderte Nasenatmung (verstopfte Nase).
Rezidivierende akute Rhinosinusitis: Auftreten wiederholter Episoden von Erkältungsschnupfen in einer Saison.
Chronischer Schnupfen (chronische Rhinosinusitis oder kurz CRS): Über mehr als 3 Monate anhaltende Entzündung der Nasenschleimhaut.
Heuschnupfen: Vom virusbedingten Schnupfen zu unterscheidende Art des Schnupfens, bei dem die Entzündung der Nasenschleimhaut als Folge einer Pollenallergie auftritt.
Was können Sie selbst tun?
Nasenduschen.
Sinnvoll für die Therapie zu Hause sind mehrmals tägliche Nasenduschen mit Salzlösung. Salz bindet Wasser und befeuchtet so die Nasenschleimhaut. Für Nasenduschen gibt es spezielle Behälter, mit denen bei schräg geneigtem Kopf eine lauwarme Salzlösung in ein Nasenloch hineingegossen wird und zum anderen Nasenloch wieder herausläuft. In das Wasser gibt man Kochsalz in physiologischer Konzentration, also 4–5 Gramm pro 500 ml Wasser) oder vorgefertigte Portionsbeutel aus der Apotheke.
Inhalieren.
Besonders bei Mitbeteiligung der Nasennebenhöhlen sind Dampfinhalationen mit heißem, fast kochendem Wasser mit oder ohne Zusätze von Kochsalz (1 Esslöffel Salz auf 1 Liter Wasser) oder ätherischen Ölen wie z. B. 2–3 Tropfen Eukalyptusöl wirkungsvoll.
Praxistipp: Entscheidend ist, dass der heiße Dampf tatsächlich in die Nase dringt, deshalb das Handtuch so tief wie möglich herunterhängen lassen, sodass es gerade noch möglich ist einzuatmen. Alternativ bietet sich ein Dampfinhalator an, den Sie in Ihrer Apotheke für wenig Geld kaufen können.
Hinweis: Ätherische Öle dürfen nicht im Gesichtsbereich von Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden. Dies betrifft besonders Präparate, die Eukalyptusöl, Menthol und Kampfer enthalten.
Raumluft befeuchten.
Schalten Sie – wenn möglich – die Ursachen der trockenen Nasenschleimhaut aus. Befeuchten Sie in Ihrer Wohnung und am Arbeitsplatz die Raumluft, z. B. mit wassergefüllten Schalen oder speziellen Luftbefeuchtern. Häufiges Lüften verbessert ebenfalls die Luftqualität.
Viel und heiß trinken.
Reflektorisch wirken auch heiße Getränke, entweder Suppen oder Tees. Ideal sind Kräutertees mit entzündungshemmenden Bestandteilen (z. B. Kamille oder Salbei).
Geeignete Medikamente Nasentropfen und -sprays.
Sie sind für die Selbstbehandlung in der Apotheke frei erhältlich. Grundsätzlich unterscheidet man 2 verschiedene Typen:
Nasensprays mit Salzlösungen (befeuchtende Nasensprays) tragen zum Abheilen der Schleimhäute bei und verflüssigen das zähflüssig-schleimige Nasensekret. So kann es von den Flimmerhärchen besser abtransportiert und auch leichter ausgeschnäuzt werden. Salzlösungen bewirken kein Abschwellen der Nasenschleimhaut, dafür aber auch keine Gewöhnung.
Schleimhautabschwellende Nasentropfen (Dekongestiva) enthalten gefäßverengende Substanzen (z. B. Oxymetazolin oder Xylometazolin). Schleimhautabschwellende Nasentropfen verengen die kleinen Arterien in der Nasenschleimhaut, die dadurch abschwillt und aus der in der Folge weniger Wasser austritt. Die Nase wird dadurch für einige Stunden "frei". Daher sind diese Präparate zur Nacht eine nützliche Hilfe, vor allem wenn die behinderte Nasenatmung den Schlaf stört. Abschwellende Nasentropfen tragen jedoch nicht zum Abheilen des Schnupfens bei.
Hinweis: Auch wenn schleimhautabschwellende Nasentropfen meist gut wirken und gut vertragen werden, verwenden Sie sie nie länger als 3–5 Tage hintereinander. Längere Zeit angewendet, schädigen sie nämlich die kleinen Nasenarterien und drohen selbst zur Ursache von chronischem Schnupfen zu werden.
Komplementärmedizin
Phytotherapie.
Heilkräuter wirken vor allem zur Beruhigung der Schleimhäute, d. h. auch bei Sekretstau sowie bei Mitbeteiligung der Nasennebenhöhlen. Ferner sind Heilkräuter verfügbar, um die Abwehrkräfte zu stärken.
Zur Schleimlösung bewährt haben sich Präparate mit Inhaltsstoffen von Eukalyptus, Myrtol, Thymian sowie Mischextrakte:
Eukalyptusöl gibt es auch in Form von Kapseln. Es wird schnell in den Blutkreislauf aufgenommen und zu den Atemwegen transportiert, wo es dann zur Erleichterung der Nasenatmung beiträgt.
Myrtol ist ein ätherisches Öl, das u. a. aus je 25 % Limonen und Cineol (dem Hauptbestandteil des Eukalyptusöls) besteht.
Thymian regt die Sekretabgabe in den Bronchien an und aktiviert die Flimmerhärchen in den Atemwegen. Außerdem wirkt Thymian krampflösend, was den Hustenreiz lindert.
Mischextrakte: In einer Doppelblindstudie hat sich das Mischtrockenextrakt BNO 1016 bei akuter Rhinosinusitis bei Mitbeteiligung der Nasennebenhöhlen als wirksam erwiesen. BNO enthält Ampferkraut, Eisenkraut, Enzianwurzel, Holunderblüten und Schlüsselblumenblüten. Als Nebenwirkung treten am häufigsten Magen-Darm-Beschwerden auf.
Zur Verbesserung der Abwehrkräfte ist die Einnahme von Echinazin-Präparaten zu erwägen. Die Wirkstoffe des Scheinsonnenhuts stimulieren offenbar das Immunsystem. Eine große Studie kommt zum Ergebnis, dass das Risiko des Auftretens von (weiteren) Nasennebenhöhlenentzündungen deutlich sinkt. Auch soll die Dauer zukünftiger Erkältungen verkürzt sein. Diese Effekte konnten aber von anderen Studien nicht erhoben werden, sodass der Einsatz von Echinazin-Präparaten weiter in Diskussion ist. Auch ist immer noch unklar, welche der 3 pharmazeutisch genutzten Sonnenhut-Arten Echinacea purpurea, Echinacea angustifolia und Echinacea pallida die wirksamste ist.
Hinweis: Vorsicht bei der Anwendung der genannten Präparate bei Kindern unter 12 Jahren. Beachten Sie bitte die Packungsbeilagen.
Homöopathie.
Neben der Gabe von Akutmitteln wie Belladonna, Bryonia, Gelsemium oder Nux vomica hält die Homöopathie auch Komplexmittel wie Eupatorium Oligoplex und Echinacea Oligoplex bereit, die die körpereigene Immunabwehr steigern und so die akute Krankheitsphase verkürzen.
Prävention
Abwehr stärken.
Eine Stärkung der allgemeinen Abwehrkräfte ist ebenfalls sinnvoll, z. B. durch regelmäßige Saunabesuche, Kneipp-Anwendungen, viel Bewegung an der frischen Luft, Wechselduschen und ausgewogene, vitaminreiche Ernährung.
Abstand halten.
Bekommen Sie immer wieder Schnupfen, halten Sie Abstand zu anderen erkälteten Menschen, auch Kindern.
Weiterführende Informationen
www.awmf.org Leitlinie zur Rhinosinusitis der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie.
HNO-Ärzte im Netz– Informationen des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte.
www.gesundheitsinformation.de – Informationsportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.
Autoren
Prof. Dr. med. Gerhard Grevers; Dr. Ute Koch; Thilo Machotta; Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen „Die Erkrankung“, „Behandlung“ und „Ihre Apotheke empfiehlt“: Dr. med. Arne Schäffler, Sandra Göbel | zuletzt geändert am 12.12.2025 um 09:10 Uhr
Weitere Themen
Test